Persoenliche bisherige Literaturliste zur Energiekrise (bzw. genauer: "Energiementalitaetskrise" - unser Problem ist nicht so sehr, dass Energie knapp wird, sondern dass wir nicht sehr sinnvoll mit ihr umgehen.) Dr. Thomas Fischbacher, tf@functionality.de 10.08.2006 Update: 14.09.2006 Update: 21.06.2007 Update: 05.08.2007 (Darf und soll gerne auch weiterverbreitet werden) =============================================================== Prae-Praeambel: Das Meiste des folgenden Textes ist zu verschiedenen Zeiten in einem Zustand vollständiger Übermüdung entstanden. Ich bitte dies zu entschuldigen. Praeambel In einem Abendvortrag ueber die Energiekrise auf der CdE-Pfingstakademie 2006 habe ich eine Reihe von Buechern kurz vorgestellt, die eine kleine Auswahl der mir persoenlich wichtigsten Werke darstellen, die ich im vorangehenden Jahr zu diesem Thema gelesen hatte und fuer sehr wichtig halte. Freilich lese ich immer auch weiter interessante Werke (und hole mir dort auch Anregungen für eigene Experimente und Dinge, die ich selber besser machen kann), und ab und an finde ich auch ein wenig Zeit, um meine private Energiekrise-Literatur-Liste aktuell zu halten. Je laenger und intensiver ich mich mit dem Thema beschaeftige, desto mehr Struktur kann ich erkennen, wie die Querverbindungen zwischen verschiedenen Ideen aussehen, wer sich wann weshalb mit was beschaeftigt hat, welche Gruppen und Stroemungen sich herausgebildet haben, wie welche Ansaetze einzuschaetzen sind, was die relevanten Aspekte eines Ansatzes sind, worauf man also achten sollte, usf. Ein zentraler Aspekt ist, dass es in einer Situation der Energieverknappung eine sehr gute Strategie ist, sich nicht darauf zu verlassen, dass schon irgendwer kommen und etwas tun wird, "um die Welt zu retten", sondern wir stattdessen als allererstes selbst gefragt sind und in erster Linie verstaerkt in Richtung Eigenverantwortung ("Hilf Dir selbst") gehen sollten, und uns darum kuemmern sollten, gesellschaftliche Querverbindungen ebenso wie Kompetenzen in verschiedenen nuetzlichen Bereichen zu entwickeln. Das zentrale Thema dieser Sammlung ist die Idee, einzelnen Menschen und kleinen Gruppen wichtige Informationen an die Hand zu geben, die es ihnen ermoeglichen, mehr Eigenverantwortung fuer ihr Dasein auf diesem Planeten zu uebernehmen und ressourcenbewusster zu leben. Verantwortung ist in allen Nachhaltigkeitsfragen ein zentrales aber oft nicht explizit angesprochenes Thema: Bis zu welchem Grad ist es vernuenftig, sein eigenes Leben vom reibungslosen Funktionieren komplexer Versorgungssysteme abhaengig zu machen, und wie viel Unabhaengigkeit sollte man sich dringend bewahren? Es gibt viel Literatur zu diesen Themen, wovon allerdings viel in Richtung "Bestandsaufnahme" und "Katastrophenvorhersage" geht, aber leider das Aufzeigen brauchbarer, gangbarer Alternativen schuldig bleibt. Meines Erachtens sind solche Werke kaum das Papier wert, auf dem sie gedruckt wurden, denn die Vorstellung zu schueren, Probleme seien grundsaetzlich ganz und gar unloesbar, muß zwangslaeufig dazu fuehren, daß irgendwelche sehr wirren Vorstellungen entstehen, was denn dann die besten individuellen Verhaltensstrategien seien. Einzelne denken hier in die Richtung, sich grosse Vorraete anzulegen und zu bewaffnen, "um sich gegen den hungrigen Mob verteidigen zu koennen". Sicher ist Vorratshaltung eine vernuenftige und anzuratende Sache, allerdings kann derartige "Bunker-Mentalitaet" keinesfalls eine brauchbare Strategie sein, weil sie einer eingeengten Weltsicht entstammt, die ganz wichtige Grundaspekte der Struktur unserer Probleme verkennt. Insbesondere gilt es, zu einer fundamentalen Einsicht zu gelangen: in die meisten der Problem-Analysen, die auf eine Art "gesellschaftlicher Totalzusammenbruch" hinauslaufen, gehen viele versteckte Annahmen ein, die typischerweise in die Richtung laufen, dass gewisse Grundbeduerfnisse sich nur auf Basis stark zentralisierter industrialisierter Systeme erfuellen liessen. Solange man sich von diesem Denken gefangennehmen laesst, sieht die Zukunft in der Tat sehr duester aus. Wenn man allerdings bereit ist, eine breitere Perspektive einzunehmen und unkonventionelle Ansaetze in Betracht zu ziehen, stellt man fest, dass oftmals die Kernaussage solcher "Analysen mit versteckten Annahmen" eigentlich nur ist, dass die Industrialisierung Probleme schafft, die sich mit den Methoden der Industrialisierung nicht loesen lassen. Und das sollte eigentlich nur diejenigen wirklich ueberraschen, die die Industrialisierung in ihrer Vorstellungswelt faelschlich mit irgendwelchen quasi-religioesen Allmachts-Attributen versehen haben. Bei der Frage, welche Einstiegspunkte ich mir gesucht habe, um ueberhaupt potentiell interessante Quellen zu finden, hat auf jeden Fall Koenig Zufall eine bedeutende Rolle gespielt, und so bin ich mir sicher, dass es eine Reihe weiterer interessanter Werke gibt, die bisher auf meinem Radar nicht aufgetaucht sind, die man aber eigentlich kennen sollte, wenn man sich mit konstruktiven Loesungsansaetzen beschaeftigt, die in die Richtung gehen, Rettungsboot-Alternativsysteme aufzubauen. Insofern bin ich hier auch fuer weiteren Input sehr dankbar. Allerdings stelle ich auch fest, dass die hier vorgestellte Auswahl und Priorisierung erhebliche Ueberschneidungen zeigt mit den Werken, die andere fuer zentral relevant halten, die sich mit diesen Themen beschaeftigen. Was mir persoenlich hier am wichtigsten ist, ist, dass ueber verschiedene Themen leider auch oft sehr viel von Leuten geschrieben wird, die ihren Horizont und ihre Faehigkeit, die Komplexitaet des Problems zu durchschauen, weit ueberschaetzen, und dem Gedanken nachhaengen, nur sie allein haetten durchschaut, was schief laeuft und den einzig denkbaren Weg fuer die Zukunft entdeckt. Das fuehrt auf das Terrain der Ideologien. In der Vergangenheit hat sich immer wieder gezeigt - was ja an sich auch logisch ist - dass eine Ideologie, die mit der Realitaet kollidiert, und sich aber fuer so heilig haelt, dass sie keinerlei Kritik (selbst durch reale Tatsachen) duldet, immer zu grossem Leiden fuehrt. Die Faehigkeit, sich von ehemaligen Vorstellungen, die sich in der Realitaet als falsch herausgestellt haben, auch loesen zu koennen, gehoert meiner privaten Einschaetzung nach zu den allerwichtigsten ueberhaupt. Das bedeutet freilich nicht, dass nicht auch Menschen, die ihre Position sehr ideologisch vertreten, in manchen Fragen vielleicht sehr gute Denkanstoesse liefern koennen - nur sollte man wachsam sein und auf keinen Fall in die Falle tappen, sich von der Gedankenwelt solcher Menschen so weit absorbieren zu lassen, dass man irgendwann die Ideologie ueber die realen Gegebenheiten stellt! Die Welt will studiert werden, und braucht den ehrlichen Versuch, nach einem moeglichst akkuraten, an eigenen Beobachtungen orientierten und nicht durch Denkmodelle verklaerten Bild zu streben. Auch bedeutet dies nicht, dass man unter einem vermeintlichen Deckmantel der Toleranz ueber Dinge hinwegsehen darf, die wichtig sind, eine Entscheidung fuer den einen oder den anderen Weg erfordern, insbesondere wenn gewissenhaft durchgefuehrte Experimente die zentral wichtigen Einsichten liefern koennen! (Experimente sollten irgendwo auch klar machen, wie viel Erkenntnisgewinn im Ergebnis und wie viel in der speziellen Fragestellung an sich steckt. Es gibt Tests, die deswegen brilliant sind, weil sie hochgradig nicht-offensichtliche aber wichtige Fragen stellen, die so niemand zuvor gestellt hat, genauso wie es Experimente gibt, die durch ihren ungewoehnlichen Ausgang zu einem grossen Erkenntnisgewinn gefuehrt haben. Als schaebig zu betrachten sind allerdings beispielsweise Experimente, bei denen die Fragestellung mit der Zielsetzung konstruiert wurde, auf nicht-offensichtliche Weise das Ergebnis bereits vornwegzunehmen.) Die folgende Auswahl an Werken ist nach Relevanz sortiert, wobei ich jeweils eine kurze Begruendung gebe, warum das entsprechende Werk wichtig ist. Meine internen Relevanz-Angaben gehen von R10 (extrem wichtig, sollte jede Bibliothek ganz dringend haben) bis R1 (eventuell als Hintergrund interessant), wobei allerdings diese Liste nur Werke enthaelt, deren Relevanz im oberen Bereich liegt. Gedruckte Literatur =================== R10: Louis Fischer, The Life of Mahatma Gandhi, ISBN 0-00-638887-6 Die gravierenden Probleme, mit denen wir uns heute konfrontiert sehen, erstrecken sich auf viele verschiedene Bereiche: wir sehen wirtschaftliche, soziale, ethische, kulturelle, militaerische, politische, oekologische Krisen, die oberflaechlich betrachtet wie unabhaengige Phaenomene wirken koennen, allerdings alle eine gemeinsame Wurzel haben, die mit unseren Einstellungen zu fundamentalen Fragen zu tun hat. Die besondere Relevanz Gandhis liegt darin, dass er sehr praktisch orientiert ganz unmittelbar als Mann der Tat durch eigenen Einsatz demonstriert (statt nur theoretisiert) hat, dass es durchaus moeglich ist, viele Dinge auch ganz anders anzugehen, und unglaublich erfolgreiche Alternativen aufgezeigt hat. Leider wissen wir in unserer westlichen Welt nur sehr wenig ueber Gandhi, und das was wir zu wissen glauben, ist oftmals sogar falsch. (So war "Mahatma" nicht Name, sondern Titel, und Gandhi war auch nicht verwandt mit der indischen Premierministerin Indira Gandhi.) Diese Biographie ist dahingehend bemerkenswert, dass Louis Fischer es schafft, Gandhis Weltsicht und Herangehensweise an Dinge auf eine fuer Westeuropaeer verstaendliche Weise aufzubereiten. Es mag ungewoehnlich wirken, eine Biographie an erster Stelle in einer Literaturliste zur Energiekrise zu finden, allerdings duerfen wir nie vergessen, dass die Energiekrise nur Symptom einer tieferen Krise menschlicher Einstellung, menschlicher Erwartungen, und menschlicher Entscheidungsfindung ist. Auch wenn es viele pfiffige und erprobte Techniken und Ansaetze zur Loesung dieser Krisen geben mag, im Kern haengt ihre Effektivitaet immer davon ab, wie sehr Menschen in der Lage sind, vernuenftige Entscheidungen zu treffen. Deswegen steht Gandhi hier an allervorderster Stelle. R10: Bill Mollison: Permaculture - A Designer's Manual, ISBN 0-908228-01-5 Um den Literaturnobelpreistraeger Dario Fo frei zu zitieren: Grosse Personen entstehen aus einer grundlegenden Notwendigkeit fuer Veraenderung heraus. So verwundert es nicht, dass es bei diesen Problemen, von denen alle Teile der Welt betroffen sind, auch in allen Teilen der Welt Pioniere gegeben hat, die sich mit Alternativstrategien und Loesungen beschaeftigt haben. Wenn nun Einzelpersonen von der dringenden Notwendigkeit ihrer Arbeit aus der Masse hervorgehoben werden, erhalten die Loesungsansaetze, die sie mitbringen, ueber ihre durch die unmittelbaren Erfordernisse vorgegebene Grundstruktur hinaus oft eine persoenliche Note durch die Weltsicht dieser Pioniere. Sehr deutlich wird dies beispielsweise im deutschsprachigen Raum, wo es durch einen kuriosen Zufall ein dem Okkulten zugeneigter Esoteriker war, der wichtige Impulse für eine dringend notwendige Revolution des Denkens in der Landwirtschaft geliefert hat: Rudolf Steiner. In anderen Regionen hat es freilich andere Pioniere gegeben, und von all diesen ist wahrscheinlich der Australier Bill Mollison einer der Interessantesten. Die wohl wichtigste Einsicht, die Bill Mollisons Arbeit zugrundeliegt, ist, daß unsere westliche Wissenschaftskultur daran krankt, daß wir zwar viele Zusammenhänge im Prinzip verstehen, uns aber nur in Ausnahmefällen Gedanken machen, wie wir dieses Wissen konkret anwenden können, um unsere Lebensumstände zu verbessern. Insbesondere in der wissenschaftlichen Oekologie gibt es die starke Tendenz, Lebensräume und ihre Interaktionen zu studieren und zu beschreiben, ohne jemals auf den Gedanken zu kommen, die gewonnenen Erkenntnisse bewußt einzusetzen für den Entwurf inhaerent stabiler produktiver Systeme. Das "Permaculture Designer's Manual" ist ein dickes Kompendium (etwa 600 Din A4 Seiten), das vollgepackt ist mit einer zu einem funktionierenden großen Ganzen zusammengefuegten Collage aus verschiedensten praxiserprobten Techniken und Ansaetzen, die auf nichts geringeres Abzielen als den bewussten, intelligenten Entwurf paradiesischer produktiver Gaerten. Neben grundsaetzlichen Kapiteln, die sich mit den zentral wichtigen Wirkungsmechanismen und Zusammenhaengen in der Natur beschaeftigen, an denen sich jedes langzeitstabile System orientieren muss, ist dieses Werk vollgepackt mit Detail-Informationen zu Techniken, wie sich diese Wirkungsmechanismen sinnvoll nutzen lassen. So wichtig dieses Werk auch ist, zeigt sich leider das Problem, dass Bill Mollison (der fuer das Permakultur-Konzept 1981 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde) bisweilen Schwierigkeiten mit Symbolen und Zahlen zu haben scheint. Das Werk enthaelt etliche kleinere Fehlerchen von der Art, dass die chemische Formel des Hydroxid-Ions stets als OH^2- angegeben wird, oder die Formel von Rutil as TiFe, oder bisweilen bei manchen Zahlen die angegebenen Groessenordnungen offensichtlich verschoben sind. Diese Kleinigkeiten tun dem Werk an sich keinen Abbruch, da diese Fehler erstens typischerweise nur an irrelevanten Stellen auftauchen, zweitens zu allen vorgestellten Techniken auf die Originalquellen verwiesen wird, in denen diese Dinge richtig beschrieben sind, und drittens solche Fehler mit etwas physikalisch-chemischer Allgemeinbildung, gesundem Menschenverstand und der Faehigkeit zu Ueberschlagsrechnungen leicht zu verbessern sind. Fazit: Man darf nicht alles woertlich nehmen, aber gerade Physiker, die bereit sind, sich auf dieses Abenteuer einzulassen, duerften dieses Werk schnell als unverzichtbar ansehen. R10: Patrick Whitefield: "The Earth Care Manual", ISBN-13: 978-1856230216, ISBN-10: 185623021X Waehrend das "Permaculture Designer's Manual" sich weltumspannend mit Loesungen vor allem auch fuer nachhaltige Landwirtschaft in tropischen Regionen und Wuestengebieten beschaeftigt, konzentriert sich das "Earth Care Manual" ausschliesslich auf die klimatischen und gesellschaftlichen Verhaeltnisse in West- und Mitteleuropa. Das bedeutet zum einen, dass das Buch sich am zu erwartenden Wissensstand eines Westeuropaeers orientiert, zum anderen, dass es bei einigen fuer uns wichtigen Strategien viel mehr ins Detail geht als das "Permaculture Designer's Manual". Das Werk ist in jeder Hinsicht exzellent, sowohl was die Auswahl und Strukturierung des Materials wie auch die angegebenen Literaturverweise anbelangt, als auch im Hinblick auf Gestaltung und optische Aufmachung. Es macht Freude, im "Earth Care Manual" zu lesen. R10: Masanobu Fukuoka, "The Natural Way of Farming", ISBN-10: 8185987009 ISBN-13: 978-8185987002 Sowie: Masanobu Fukuoka, "The One Straw Revolution" ISBN-10: 8185569312 ISBN-13: 978-8185569314 Beide Werke sind vergriffen, allerdings gibt es eine interessante einfache Moeglichkeit, an den Text zu kommen: Der Australier Steve Solomon betreibt unter http://www.soilandhealth.org/ eine Online-Bibliothek, die ein "digitales Ausleihen" ermoeglicht. (Nach Australischem Urheberrecht ist es legal, digitale Dokumente Einzelpersonen fuer Studienzwecke zur Verfuegung zu stellen, wenn die entsprechenden Werke nicht mehr gedruckt werden.) Beide Buecher stehen als PDFs in der Sektion "Agricultural Library" zum Download zur Verfuegung. Genauso wie Australien die oekologische Krise den Pionier Bill Mollison hervorgebracht hat, hat sich in Japan Masanobu Fukuoka mit konstruktiven Loesungsansaetzen beschaeftigt. Fukuokas Arbeit ist hochinteressant, weil er auf sehr tiefer Ebene anfaengt, sich mit Grundfragen der menschlichen Kultur bzw. Zivilisation auseinanderzusetzen, und einige sehr interessante Gedanken beisteuert. Obwohl "The One Straw Revolution" sein bekannteres Werk ist, ist sein anderes Buch in meinen Augen wesentlich wichtiger, weil es die Kerngedanken besser herausarbeitet. Fukuoka ist in seinem Denken merkbar beeinflusst von Ideen, die wir dem Zen-Buddhismus zuschreiben wuerden, und gerade diese andere Perspektive macht seine Arbeit sehr interessant. Darueberhinaus zeigt er eine praktische Loesung fuer das wichtigste Grundproblem der menschlichen Zivilisation ueberhaupt: Der Ackerbau zerstoert langsam aber bestaendig den Boden und somit ist es fuer jede Kultur, deren Basis der Pflug ist, nur eine Frage der Zeit, bis sie ihre eigenen Lebensgrundlagen vernichtet hat und zugrunde gehen muss. Fukuoka hat eine Methode entwickelt, die bei hohen Ertraegen die Bodenfruchtbarkeit langfristig verbessert, statt sie zu zerstoeren. R10: John Lewis, "A Doctor's Occupation", ISBN-10: 0952565919, ISBN-13: 978-0952565918 Waehrend die vorangehenden Werke in den Regalen vieler Leute stehen, die sich um den Zustand der Welt konstruktive Gedanken machen, findet man dieses Buch wahrscheinlich eher selten. Dennoch halte ich es fuer unglaublich wertvoll. Die Kanalinseln (Jersey, Guernsey, Alderney) waren der einzige Teil des britischen Koenigreichs, der waehrend des 2. Weltkriegs von den Nazis besetzt wurde. Es ist hochinteressant, diese Schilderung eines Arztes zu lesen, der die Zeit der Besatzung auf Jersey miterlebt und durchgestanden hat. Die Situation auf Jersey war in dieser Zeit bestimmt von gradueller Ressourcenverknappung, die dramatische Ausmasse angenommen hat (da die Insel ueber laengere Zeit von der Aussenwelt abgeschnitten war) bei einer fuer damalige Verhaeltnisse relativ hohen Bevoelkerungsdichte, die sich im Bereich der heutigen Bevoelkerungsdichte in England bewegt haben duerfte. Durch die richtige Brille betrachtet lassen sich aus dieser Schilderung viele Einsichten gewinnen, worauf es in solchen Situationen ankommt, welche Probleme zu erwarten sind, und welche unerwarteten Probleme auftauchen koennen. Bemerkenswert ist insbesondere, dass es fuer die Insulaner wohl durchaus moeglich gewesen waere, ihre eigene Situation erheblich zu verbessern, wenn sie es geschafft haetten, sich staerker von -- an sich selbstauferlegten -- unnoetigen Zwaengen zu loesen. R10: Satish Kumar, "You are therefore I am - a declaration of dependence" ISBN-10: 1903998182 ISBN-13: 978-1903998182 Eine zentrale Einsicht, die allen Religionen zugrundeliegt, ist, dass der Mensch weit mehr ist als seine unmittelbare koerperliche Existenz. Die Luft, die wir atmen, das Wasser, das wir trinken, der Flecken Erdboden, von dem wir unsere Nahrung erhalten, die Kultur, die unser Denken formt, gehoeren genauso untrennbar zu unserer eigenen Existenz wie unsere Haende, unsere Augen, unser Kopf, unser Herz. Waehrend in unserem westlichen Kulturkreis oft naive Vorstellungen weitverbreitet sind, Religion haette notwendig immer mit naivem Mystizismus und dem Glauben an Wunder zu tun, die von hoeheren Maechten gewirkt werden, sowie der Notwendigkeit, irgendwelche von diesen Maechten vorgegebenen Regeln zu befolgen ohne sie zu hinterfragen, ist gerade im asiatischen Raum oft auch ein tiefes Verstaendnis fuer den sozio-kulturellen Sinn religioeser Regeln, gerade im Hinblick auf Ressourcenmanagement, verbreitet. Satish Kumar wurde in Indien geboren und hat einen großen Teil seines Lebens als wandernder Bettelmoench verbracht. Heute lebt er in Grossbritannien und ist Herausgeber des "Resurgence Magazine". Eine kurze Biographie findet sich auf: http://www.resurgence.org/satish/index.htm Sein Buch "You are therefore I am" ist in mehrerlei Hinsicht interessant, unter anderem weil es inspirierende Dialoge mit herausragenden personen wie Martin Luther King enthaelt, vor allem aber auch, weil es Einblicke und Hintergruende in die indische Kultur liefert, die etwa auch zeigen, wie viel etwa von Gandhis spezieller Weltsicht an sich tief verwurzelt in der indischen Denkweise und Tradition ist. Enthaelt sehr interessante und tiefe Gedanken ueber die grundsaetzliche tiefere Struktur der Krise, in der wir uns befinden. R10: Ray Mears, Essential Bushcraft, ISBN-13 9780340829714 Ein probater Weg, die Frage zu beantworten, was rein praktisch betrachtet wirklich essentiell ist, und wie wichtig die wirklich wichtigen Dinge sind, ist, von der Erfahrung echter Wildnis-Abenteurer zu lernen. Abgesehen von einer interessanten Außenperspektive auf unsere Zivilisation, die deutlich zeigt, wie unnötig vieles von dem, woran wir uns sehr gewöhnt haben eigentlich ist, enthält dieses Taschenbuch eine Fülle an generell wissenswerten Detail-Informationen, worauf man beim Arbeiten mit der Axt achten sollte, wie man mit einer Saege Verletzungen vermeidet, und vieles mehr. Wenn jeder Haushalt die noetige Ausruestung und das Wissen haette, um zur Not auf die Schnelle in ein Zelt umzuziehen, koennten wir dank solcher Flexibilitaet vielen der fuer dieses Jahrhundert noch zu erwartenden - v.a. Klimawandel-induzierten - Katastrophen (Ueberflutungen, Seuchen-Ausbrueche) wesentlich entspannter begegnen. Auch wenn sich freilich "Bushcraft" nicht aus einem solchen Buch lernen laesst, und vor allem auch jedem, der sich naeher damit beschaeftigen will dringend ein Erste-Hilfe-Kurs zu empfehlen waere, der ueber Unfallversorgung bis zum Eintreffen der Notrettung hinausgeht, ist dieses Werk sicher sehr nuetzlich, um ansatzweise die richtige Priorisierung solcher Grundnotwendigkeiten wie Waerme, Wasser, und Nahrung zu vermitteln. R10: John Jeavons, "How To Grow More Vegetables" ISBN-10: 1-58008-233-5 ISBN-13: 978-1-58008-233-4 Sowie: J. Jeavons, C. Cox, "The Sustainable Vegetable Garden", ISBN-10: 1580080162 ISBN-13: 978-1580080163 Die moderne industrialisierte Landwirtschaft wird heute gemeinhin als hocheffiziente Methode der Nahrungsmittelproduktion angesehen, die es einem Bauern ermoeglicht, mehr als 100 Menschen zu ernaehren. In einer Situation erheblicher Ressourcenverknappung (insbesondere: fruchtbarer Boden pro Person, fossile Brennstoffe, und Wasser) aendern sich allerdings hier die Spielregeln schnell und grundlegend. In so einer Situation ist die sowohl im Hinblick auf Energie-Einsatz als auch Flaeche effizienteste Art und Weise, Nahrungsmittel zu erzeugen, der Gartenbau mit Handwerkzeugen auf kleiner Skala. Das liegt vor allem daran, dass es dem Gaertner moeglich ist, der einzelnen Pflanze viel mehr Beachtung zu schenken, und auf mikroklimatische Eigenheiten einzugehen, wo es der auf grossen Flaechen arbeitenden industrialisierten Landwirtschaft nie moeglich waere, so viel Detail-Aufmerksamkeit zu investieren. John Jeavons hat eine Gartenbaumethode perfektioniert, die auf Techniken der alten Chinesen zurueckgeht und auch Elemente der Methoden der ebenfalls aeusserst flaecheneffizienten Marktgaertner im Umland um Paris im 19. Jahrhundert verwendet, die es halbwegs erfahrenen Gaertnern ermoeglicht, praktisch ohne Einsatz fossiler Brennstoffe den vierfachen Flaechenertrag herkoemmlicher landwirtschaftlicher Produktion zu erzielen. "How To Grow More Vegetables" ist das Hauptwerk, das diese Methode beschreibt, allerdings sollte man sich in dreierlei Hinsicht hier keinen Illusionen hingeben: erstens macht einen die Lektuere dieses Buches nicht von heute auf morgen zum erfahrenen Profigaertner, sondern die noetige Erfahrung laesst sich nur im Garten sammeln, auch wenn dieses Werk den Weg weist, zweitens ist das Buch stellenweise so geschrieben, daß man leicht verfuehrt wird, das was es zu sagen hat optimistischer aufzufassen als es dort eigentlich steht, drittens darf man sich dahingehend nicht taeuschen, dass die erste Vorbereitung eines solchen Intensiv-Beets auf jeden Fall mit einer Menge Schweiss und harter Arbeit verbunden ist. Dennoch ein immens wichtiges Werk. "The Sustainable Vegetable Garden" beschaeftigt sich ebenfalls mit diesen Techniken, ist allerdings wesentlich duenner und fuer Leute geschrieben, die nicht erst aus den Detail-Anleitungen einen eigenen Gartenplan entwerfen und vorher eine detaillierte Diskussion zu Nachhaltigkeit und Bodenerosion lessen wollen, sondern mit einem kleinen Beet einfach loslegen wollen. R10: Joseph Jenkins, "The Humanure Handbook" ISBN-10: 0964425831 ISBN-13: 978-0964425835 Intensiv-Gartenbaumethoden, die viel aus dem Boden herausholen, müssen freilich mit Methoden kombiniert werden, die dem Boden viel zurueckgeben. Es ist ein Grundgesetz der Natur, dass Systeme nur dann auf die Dauer funktionieren koennen, wenn Naehrstoff-Fluesse im Kreis gefuehrt werden und insbesondere Stickstoff und Phosphat nicht teuer unter Aufwendung endlicher Ressourcen (Erdgas bzw. erschoepfliche Phosphat-Minen) von aussen eingebracht und als Abfall ins Meer gepumpt werden, sondern im Kreislauf gehalten werden. In letzter Konsequenz bedeutet das insbesondere, dass auch menschliche Faekalien als Rohstoff und Ressource zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit angesehen werden muessen. Im asiatischen Raum ist diese Einsicht nichts ungewoehnliches, waehrend unsere Kultur teils extreme Hemmungen im Umgang mit menschlichen Faekalien hat. Das teils sehr humorige Buch von Jenkins enthaelt sowohl detailgenaue Informationen ueber die Theorie der Kompostiervorgaenge, Mikrobiologie, Lebenszyklen von Parasiten, als auch geschichtlichen Hintergrund zum Umgang mit menschlichen Faekalien durch die Jahrhunderte in verschiedenen Kulturen, und ganz praktische Anleitungen zur Beantwortung der Grundfrage, die die Menschheit seit jeher quaelt: "Wohin mit dem Scheiss"? Der groesste Teil des Textes ist auch online zu finden unter: http://www.weblife.org/ (PDF) http://www.weblife.org/humanure/pdf/humanure_handbook_third_edition.pdf Auch als HTML verfuegbar. R10: John Seymour, "The Self-Sufficient Gardener", ISBN 0-385-14670-1 John Seymour, Papst der Selbstversorger, hat aus der Perspektive des erfahrenen Praktikers etliche hochinteressante und lehrreiche Buecher geschrieben. Sein Buch ueber den Gartenbau beschaeftigt sich ebenfalls mit der Jeavons-Methode, allerdings behandelt er das Thema wesentlich detaillierter als Jeavons, dessen Werk doch streckenweise sehr "amerikanisch" wirkt. R10: Robert Kourik, "Designing and maintaining your edible landscape naturally" Waehrend der klassische Gartenbau oft sehr viel Hand-Arbeit ist, betont der Permakultur-Ansatz Alternativmethoden, die Schweiss durch Intelligenz zu ersetzen versuchen. Robert Kourik behandelt das ganze Spektrum und geht auf diese verschiedenen Formen gleichermassen ein. Das Buch ist insbesondere hochinteressant weil es viele nuetzliche Daten ueber Pflanzen, Boeden, Schaedlinge, etc. in Form von kompakten und uebersichtlichen Tabellen enthaelt. XXX TODO: Dokumentation! R10: Ken Fern, "Plants For A Future" R10: E.F. Schumacher, "Small is Beautiful" R10: R. Douthwaite, "Short Circuit" R8: "Where There is No Doctor" / "Where There is No Dentist" R8: "Engineering in Emergencies" R8: Gandhi: Autobiography R8: The Riddle of Amish Culture ISBN 0-8018-6772-X R8: Food For Free, ISBN 978-0-00-724768-4 R8: D. Holmgren, Permaculture - Principles & Pathways Beyond Sustainability R8: John Yeoman, "Self Reliance" R8: John Schaeffer, "The Solar Living Sourcebook" R8: J. Seymour, The Self Sufficient Life and How To Live It R7: The Nature and Properties of Soils R7: R. Hart, Forest Gardening R7: P. Whitefield, How To Make a Forest Garden